NEIL YOUNG
Silver & Gold
Wea

Bei jedem anderen seiner Generation würde man von einem sanften Alterswerk sprechen. Aber Neil Young war immer zu unberechenbar, um ihm mit solchen Kategorien gerecht zu werden. Wenn er jetzt wieder mal in die Rolle des stillen, sensiblen Songwriters schlüpft, hat das nicht viel zu bedeuten. Wer weiß schon, ob er nicht demnächst wieder ein knarzig-rohes Rockmonument errichtet, das alle jüngeren Gitarrenlärmer vor Ehrfurcht erstarren läßt? Diesmal hatte er also einfach wieder mal Lust, ein Loblied aufs Landleben zu singen, schnappte sich seine Akustische und die Mundharmonika, scharte alte Freunde (Jim Keltner, Emmylou Harris, Linda Ronstadt, Ben Keith, Duck Dunn, Spooner Oldham) um sich und fertig sind zehn mild gestimmte, in alten Erinnerungen schwelgende Country-Songs und Folk-Balladen. Nicht mehr, nicht weniger. Youngs Plattenfirma versucht nun zwar, "Silver & Gold" als direkte Fortsetzung seiner Klassiker "Harvest" ('72) und "Harvest Moon" ('92) zu verkaufen, aber dazu sind die neuen Songs viel zu unspektakulär. Aber auch wenn "Good To See You", "The Great Divide" "Without Rings" oder die weinerliche Pianoballade "Horseshoe Man" nicht gerade zum Besten gehören, was Neil Young je verfasst hat, so sind sie doch mit genügend Verweisen auf alte Geniestreiche gespickt, dass sich der Fan vom ersten Ton an wohl fühlt.
Volkard Steinbach