BILL WYMAN'S RHYTHM KINGS
Groovin'
Roadrunner / Connected

Seiner Autobiographie zufolge war er nicht nur verantwortlich für das Groupie-Unwesen bei den Stones, sondern als Basszupfer auch die kompositorische Kraft hinter Klassikern wie "Jumpin' Jack Flash". Hm. Tatsache ist, dass Bill Wymans Soloalben mit softer Discomucke aus den 70ern allemal kommerziell erfolgreicher waren als die seiner Kollegen. Und es stimmt, dass seine Gesangsstimme sich anhört wie die von Dieter Bohlen. Mit einem Wort: grauslich. Sympathie hingegen hat sich der über 60jährige Ex-Stone, Frauenschwarm und Restaurantbesitzer jüngst mit einer Trilogie erspielt, deren aktueller Teil jetzt mit bewährtem Staraufgebot vorliegt. Statt Eric Clapton sind Mick Taylor, Albert Lee, Georgie Fame und Beverly Skeete dabei. Ausgangsidee des Projekts war es, in Feierabendlaune alte Jazz-, Blues- und Rockstandards neueinzuspielen, also Musik zu machen, die niemand braucht, aber Spaß bereitet. Einfach so, ohne Attitude. Nett. Der jetzt vorliegende Trilogieabschluß setzt jedoch nicht nur einen Schluß-, sondern leider auch einen Tiefpunkt. Bei ihrer Pop-Zeitreise sind die Rhythm Kings in den 60ern angekommen: Der Titelsong ist zwar unglaublicherweise besser als das Original, weil eben noch grooviger, ansonsten aber sind Wymans zahlenmäßig den Standards überlegene Eigenkompositionen bestenfalls überhörenswert.
Adrian Wolfen