TOOL
Lateralus
Jive / Zomba

Lateralus, sagen Tool. "Lateralität, die; -, kMz. (med.) Vorherrschen einer Körperhälfte", sagt Langenscheidt. Tatsächlich kann keine Band, die ihre innere Mitte gefunden hat, "Lateralus" eingespielt haben. #1 USA, #1 Australien, #1 Kanada, #2 Neuseeland, #2 Norwegen - das sagen die Hitlisten der Welt. Tool in diesen Chartregionen? Vor Acts wie Janet Jackson? Das ist so, als würde irgendein rumänischer Kunstfilm "Pearl Harbour" an der Kinokasse abhängen. Der Freak-Faktor ist der Trumpf, der hier sticht. Gegen Tool waren Soundgarden stromlinienförmiger Kindergarten-Pop. Hier ist kein Groove gerade, polyrhythmische Strukturen sind scheinbar Gesetz. Die Körperhälfte, die hier dominiert, ist die obere: der Kopf. Emotionslos-Core. Nicht, daß "Lateralus" keine großartige Platte wäre - woraus Tool einen Song machen, hätten die Riffmaster Helmet fünf gemacht. Aber dieser Hype, der derzeit um Tool betrieben wird, ist schon etwas übertrieben. "Lateralus" ist wohl die Platte, die man momentan gehört haben muß. Aber in ein, zwei Jahren wird mancher am Staub im Plattenregal erkennen: Braucht man vielleicht doch nicht. Fans: Zugreifen, unbedingt. Alle anderen: Nicht von den Charts verwirren lassen.
Stefan Piontek