THE THRILLS
Let's Bottle Bohemia
Virgin

Ob die Thrills mit ihrem Albumtitel einen ironischen Kommentar zu ihrem Album abgeben wollten? Als ob die Zeile einem Gespräch unter Marketingexperten entstamme, die nach Möglichkeiten suchen, das Bohème-Gefühl für eine ältere, gesetztere Kundschaft abzufüllen. Denn so ist auch die Musik der Thrills. Unglaublich gediegener Nostalgie - Westcoast - Springsteen-Rock. Dagegen sind die Euroboys purer Punk. Keine Frage, was die Thrills machen, das machen sie altmeisterlich. Tolle Songs, wundervolle Streicherarrangements von Michel Colombier und Van Dyke Parks, schöne Gedanken über Corey Haim und verblichene Schönheitsköniginnen, Erinnerungen an wilde Samstagnächte. Erschütternd ist nur, dass es sich um das gerade mal zweite Album einer jungen Band handelt, die den überlieferten Formeln wenig Eigenes hinzuzufügen hat. Strukturell sind die Thrills damit einer Joss Stone gleichzusetzen. Nur wesentlich angenehmer zu hören. Hmm ... wo war noch mal mein Jahrgangscognac?
Karl Koch