SIMPLE MINDS
Cry
Eagle Records

Wenn sich Pop-Ikonen aus den nicht immer geschmackssicheren 80ern zurückmelden, fragt man sich oft: Mußte das sein? Ja, von Depeche Mode, den Pet Shop Boys und zuletzt New Order mal abgesehen, kann kaum ein Pop-Act von damals auch 20 Jahre später noch überzeugende Platten abliefern. Die Simple Minds gehörten mit ihren frühen Alben '79-84 immerhin zu den Wegbereitern der New Wave. Im Laufe der Zeit mutierten die Schotten jedoch zu einer Combo, die sich in pathostriefendem, zum Teil gnadenlos überproduzierten Stadionrock verlor. Mit "Cry" ist Jim Kerr und Charlie Burchill jetzt überraschenderweise ein angenehm schnörkelloses Popalbum gelungen. Burchill setzt seine Gitarren endlich wieder sehr sparsam ein, zudem wurden manche Songs wohltuend mit Elektronik-Sounds angereichert. Die Glasgower erzählen auch nicht mehr in epischer Breite, sondern kommen in stilsicher produzierten Vierminütern auf den Punkt. Alle beteiligten Musiker, darunter Erasure-Mastermind Vince Clarke, unterstützten Kerr und Burchill auch beim Songwriting und verhalfen ihnen so zum vielleicht besten Simple Minds-Album seit dem '82er "New Gold Dream".
Michael Beerfölz