REEF
Getaway
Epic /Sony Music

Englands Antwort auf die Black Crowes. Nur klangen Reef eher frisch und smart statt retro-käsig, schrieben stets die besseren Songs. Bei "Getaway" saß nun erstmals Stereophonics-Produzent Al Clay an den Reglern. Aber wo hat er die Ecken und Kanten gelassen? Den Funk? Die Vielfalt? Sonst hatten Reef die ganze Palette zu bieten: Erdige Rocker, niedliche Popsongs, verheulte Balladen. Jetzt soll offenbar jeder einzelne Song die ganze Bandbreite abdecken ... mit dem Ergebnis, daß alles weder Fisch noch Fleisch ist, nichts rockt kompromißlos, keine Nummer führt wirklich auf Abwege. Strotzten die Songs sonst vor Adrenalin und Testosteron, klingt vieles nun ausgebrannt und fad. Mit "Getaway" haben Reef den großen Wurf verpaßt, zu dem sie fraglos das Potential haben, und den Stereophonics den Rock-Thron im UK kampflos überlassen. Schade.
Stefan Piontek