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RECOIL
Liquid Mute Records / Intercord
| Oft sind es einschneidende Erlebnisse, die einen Künstler zu kreativen Höchstleistungen anspornen. Im Falle des Ex-Depeche Mode-Mannes Alan Wilder waren es die Erfahrungen eines Flugzeugunfalls, die ihn zum neuen Recoil-Album "Liquid" inspirierten. Im zweiteiligen Epos "Black Box" geht es um einen Mann, der mit dem Tod vor Augen in Sekundenbruchteilen sein Leben Revue passieren läßt und dabei erkennt, dass er kaum etwas erinnert, worauf er stolz sein könnte. Um dieses als düsteres, elektronisch-orchestrales Klangamalgam inszenierte Horrorszenarium formieren sich weitere, nicht weniger verstörende Visionen von Tränen, Angst, Wut und Gewalt. Schwer rollende Grooves, bedrohliche Samples und gewagte Verbindungen von Hip Hop-, Rock-, Blues und Jazz-Elementen sind die Bausteine, aus denen Wilder seine verstörenden Tracks wie die Hörspielversion eines beklemmenden Films inszeniert. Die klaustrophobische Atmosphäre erfährt durch die unvergleichliche Stimmakrobatin Diamanda Galas noch eine zusätzliche Steigerung. Diesen langsam, aber unaufhaltsam ins Bewußsein sickernden Soundlandschaften kann man sich genausowenig entziehen, wie einer auf den eigenen Kopf gerichteten Pistole. Volkard Steinbach |