PRIMAL SCREAM
Xtrmntr
Creation / Sony Music

Schön, wenn uralte Bekannte unverhofft vorbeischauen. Wie Primal Scream, die immerhin schon '87 ihr Sixties-infiziertes Debutalbum veröffentlichten. Ein paar Jahre später zählten die Engländer dann zu den Protagonisten der Rave-Welle. Schlauerweise reizten Bobby Gillespie und seine Crew den Hype nicht bis zum Overkill aus, sondern setzten mit "Give Out But Don`t Give Up" 1994 dem Rhythm`n'Blues-lastigen klassischen Rock der 70er ein tönendes Denkmal. Und "Vanishing Point" geriet dann sogar zum soulig-funkigen, drogenschweren Monster. Hört man jetzt jedoch "Xtrmntr" (gesprochen: Exterminator), so erscheint der Vorgänger von '97 allenfalls wie eine Fingerübung. Denn auf ihrem sechsten Album lassen die Götter des Darkside-Grooves ihre aggressive Giftküche mit Psychedelic-Rock`n'Roll und Heavy-Funk endgültig überkochen. Heftigst verzerrte Gitarren, marschierende Rhythmen, stoische Hip Hop-Beats, schwirrende Elektronik-Blitze, Freejazz-Bläser und der aufgeputschte Gesang lassen die Ohren klingeln. Und die Beine kommen dank der Mixkunst der Chemical Brothers auch nicht zu kurz.
Volkard Steinbach