PEARL JAM
Binaural
Epic / Sony Music

Mit Pearl Jam ist es immer das gleiche. Seattles Grunge-Überlebende schaffen es schon lange nicht mehr, eine auch nur halbwegs gute Platte zu produzieren. "Binaural", das sechste Studioalbum, macht da keine Ausnahme. Im Gegenteil: Was andere Rezensenten als unerwarteten Anflug von Humor und Leichtigkeit begrüßen - bislang nicht unbedingt Stärken von Eddie Vedder & Co - schlägt sich in stumpfsinnigen Muskelspielen nieder, die zwar heftig lospoltern, aber nie auch nur ansatzweise das Etikett "Song" verdienen. Das gilt besonders für den öden Opener "Breakerfall" und die nachfolgenden Durchschnittsrocker "God`s Dice", "Evacuation" und "Light Years". Auch ein Versuch im Walzertakt misslingt beim wackeligen "Rival" gründlich. Besser wird's erst, wenn Pearl Jam ein paar Gänge zurückschalten, schwermütige Balladen anstimmen und Vedder melodramatische Leidens-Lyrics grummelt, als trage er alle Probleme der Welt auf den Schultern. Der wirkliche Knaller von "Binaural" scheint jedoch die kurze Posse "Soon Forget" zu sein, bei der Eddie nur von einer Ukulele begleitet wird. Aber leider ist das charmant-simple Liedchen doch nur eine Blaupause von Pete Townshends "Blue Red And Grey", zu finden auf "Who By Numbers".
Volkard Steinbach