EINSTÜRZENDE NEUBAUTEN
Silence Is Sexy
Zomba

Dass die Einstürzenden Neubauten ruhiger geworden sind, dokumentierten bereits die letzten Werke der Berliner Kultband. Insofern ist es auch keine große Überraschung, dass das neue Album kaum noch die Bezeichnung atonal verdient. Im Gegenteil: "Silence Is Sexy" macht seinem Titel alle Ehre. "Heaven Is Of Honey", "Beauty" und die zarten Elegien "Sabrina" und "Sonnenbarke" sind dunkel-atmosphärische Inszenierungen, die in ihrem verschwörerisch-intimen Charakter an Nick Cave erinnern. Selbst der scheppernde Industrial-Pop von "Newtons Gravitätlichkeit" und "Zampano" sowie Experimente mit verfremdeten Klangerzeugern und klirrenden Rhythmen bei "In Circles" und "Alles" wirken im Vergleich zu frühen Werken der Stahlwerk-Avantgardisten moderat. Was aber auch an veränderten Hörgewohnheiten liegt, denn in den frühen 80ern wären enervierend-bedrohliche Klangergüsse wie "Pelikanol" und "Redukt" wohl nur mit Schmerzen hörbar gewesen. Aber die Zeiten ändern sich. Und auch die sprachlichen Mittel, denn wann gab es das vorher, dass Bargeld seine ironisch tiefdeutigen Fabulierungen über weite Strecken in englisch verfasst hätte?
Volkard Steinbach