MONEYBROTHER
To Die Alone
Burning Heart Records / Epitaph

Wenn es nach Sarah Kuttner ginge, müsste dieser Mann mindestens so groß wie Robbie Williams sein. Aber da man spätestens seit Adam Green bei Harald Schmidt so seine Zweifel am zielsicheren Geschmack von TV-Gesichtern hat, sollte man sich von diesem Mini-Hype nicht beeindrucken lassen. Denn Moneybrother arbeitet, wie schon einige gereifte Indiemenschen vor ihm, an der Wiedereroberung des Soul aus dem Geist des Punk. Das kann frühlingsfrisch in Disco-Gefilde führen, mündet alle naselang in langgezogene, streicherlastige Tearjerker-Balladen, dudelt mal Sixties-orgelig vor sich hin und vollführt gar in "My Lil' Girls Straight From Heaven" den dreibeinigen Spagat zwischen Thin Lizzy, Housemartins und Style Council. Leider hat Moneybrother nicht ganz die Stimme - einen schwedisch eingefärbten Joe Strummer-Tenor mit latenter Dylan-Nölnase - um die Größe seiner Gefühle auch komplett mit Pathos zu füllen. Alles grundsympathisch, aber hier überragt das Konzept noch die Ausführung.
Karl Koch