JULIE MILLER
Broken Things
Hightone / Fenn

Als Komponistin genoss sie schon länger einen exzellenten Ruf. Doch spätestens seit ihrem Debut "Blue Pony" gilt Julie Miller als Ikone des Alternative-Country - obwohl ihr neues Album mit Country nicht mehr viel gemein hat: Auf "Broken Things" lotet sie ein weites Spektrum aus. Vor allem in den langsamen Songs wie "I Still Cry", der Charakterstudie "Maggie", einem Songs über eine Stripperin, oder dem Titelsong, meist mit akustischer Gitarre, Piano und Cello instrumentiert, zieht sich angesichts der Mischung aus Verzweiflung und Sehnsucht das Herz zusammen, zumal sich die Emotionen durch die Schlichtheit der Arrangements sehr direkt mitteilen. Erstaunlich dabei immer wieder, wieviel Gefühl sie aus ihrer eher dünnen Stimme herauszuholen vermag. Erstaunlich auch, dass sie sich nicht nur auf vertrautem Country-Rock-Territorium souverän bewegt, sondern auch dann nicht scheitert, wenn sie etwa im Stile von Tom Waits Blues-Fragmente durch den Wolf dreht oder mit keltischen Folk-Versatzstücken hantiert. Dazu hat sie sich Emmylou Harris, Steve Earle und Patty Griffin ins Studio eingeladen. Ein Album ohne jeden Hänger, mit dem sie Lucinda Williams verdammt nahe auf die Pelle rückt.
Michael Müller