MAXWELL
Now
Columbia / Sony Music

Gut, eine voluminöse Crooner-Stimme hat er nicht, und der häufige Wechsel ins Falsett ist nicht jedermanns Geschmack. Aber der '73 in Brooklyn geborene Sänger liefert trotzdem ein grandioses Neo-Soul-Album ab. Neben D'Angelo war Maxwell mit seinem '96er Debüt Erfinder eines neuen, urbanen Soul-Sounds, der Gefühl und Sinnlichkeit in die Black Music zurückbrachte. "Now" bringt die gleichen, leicht schwülstigen Sounds und gebremsten Funk-Grooves, wie die inzwischen zahlreichen Nachahmer. Aber es gibt doch zwei entscheidende Unterschiede: Bei Maxwell erstarren selbst abgedrehte Phrasierungen nicht zur Pose, und die Songs sind eben mehr als nur ein mit angesagten Sounds verzierter Groove. Sie haben wunderschöne Melodien: "Symptom Unknown" etwa bringt zwar heftigsten Balladenstoff samt Harfe und Pedal-Steel, verbreitet aber trotzdem eine Atmosphäre wie Prince zu besten Zeiten. Und "Womans Work", die Interpretation eines Kate Bush-Songs, kann problemlos neben den Soul-Klassikern von Marvin Gaye & Co. bestehen.
Roger Witte