MARILYN MANSON
The Golden Age Of Grotesque
Motor / Universal

Herr Manson sieht zwar immer noch so aus, als entspringe er einem Gruselkabinett - doch hat sich der Schrecken, den er über sein Image erzeugt, irgendwie umgedreht. Stand er früher quasi für alles Böse im Rock, ist er jetzt der Pate für alle anders Denkenden. Bei einem seiner letzten Festivalauftritte in Deutschland nahm sich der ehemalige Musikjournalist viel Zeit für eine Mutter, deren Tochter sich umgebracht hatte und ein großer Fan von Manson war. Er wollte sie verstehen und ihr Trost geben. Auch visuell und musikalisch hat sich was getan. Der Musiker hat das Berlin der 30er Jahre für sich entdeckt: "Es war kurz vor dem Krieg. Die Menschen lebten damals, als gebe es kein Morgen." Hedonismus ist der neue Ansatz von Mansons Arbeit, jetzt hat sich aber auch das Umfeld geändert. Sein alter Mitstreiter Twiggy Ramirez ist raus, für ihn kommt Tim Skold (ex-KMFDM). Und so dröhnt "The Golden Age Of Grotesque" nicht nur endlos vor sich hin, sondern klingt zuweilen fast schon poppig und entspannt. Wie von einem richtig netten Menschen eben.
Rocco Clein