MADONNA
American Life
Maverick / Wea

Sie hat es wieder getan: Madonna vergrub sich mit den Produzenten Mirwais Ahmadzai, William Orbit und Stuart Price (Les Rhythmes Digitales) einmal mehr in den (Un-)Tiefen der elektronischen Musik. Ihr Vorgänger "Music" gab die Richtung vor: Frickeln auf hohem Konsensniveau. Angeblich soll die erste Fassung von "American Life" derart unkommerziell gewesen sein, dass die Plattenfirma ein Nachbessern einforderte. Bestätigt ist das nicht, denkbar hingegen schon. Auf dem Album kreuzen Loops, Basslines und Samples wild hin und her, gelegentlich kollidieren sie auf höchst unangenehme Art und Weise, doch zumeist funktioniert das artifizielle Gerüst ganz passabel. Lieder wie "American Life" und "Hollywood" gehen leicht ins Ohr - auch wenn man sich zuweilen nicht des Eindrucks erwehren kann, eine eher drittklassige Madonna zu erleben. Der große Moment, der die Songs und damit das Album aus dem ruppigen Einheitsbrei heraushebt - er findet sich hier nur selten. Auf "Nothing Fails", einer Ballade im Stil von "Don't Tell Me", erhascht man diesen Augenblick am ehesten. Bei den schnelleren Titeln vermittelt die bodenständig wirkende Sängerin den Eindruck, des Tanzens müde geworden zu sein. "American Life" ist kein bahnbrechendes Pop-Album, es ist ein reifes Alterswerk - nicht gegen den Strich, aber gegen den übermächtigen R&B-Trend gebürstet.
Ulf Lippitz