|
LUSCIOUS JACKSON
Electric Honey Grand Royal / Emi
| Für englische Weeklys ist es reine Routine: Das Debut-Album einer Band wird in den Himmel gelobt - und der Nachfolger in Grund und Boden verdammt. Luscious Jackson etwa, nach ihrem frechen Debut noch als weibliche Antwort auf die Beastie Boys gefeiert, opferten auf dem letzten Album ihren vitalen Streetsound klassischen Songwriter-Mustern und engagierten noch zu allem Überfluß den für seine atmosphärischen Klänge berühmten Daniel Lanois als Produzenten. Das provozierte lange Kritikergesichter. Die Konsumenten waren ganz anderer Meinung: "Fever In Fever Out" avancierte zum Megaseller. Luscious Jackson sehen darin aber noch lange keinen Grund, den Erfolgskurs fortzusetzen. Im Gegenteil: "Electric Honey" zeigt jetzt wieder eine Rückbesinnung auf die im Hip Hop verwurzelten Ursprünge. Mit Loops und Samples, Breakbeats, Funkgrooves und himmlischen Stimmen beschwören sie auf gut der Hälfte der neuen Stücke wieder die Straßenatmosphäre des New Yorker Undergrounds. Euphorisch mischen sie Sounds und Stile, vermengen Punk-Energie mit Pop und coolem Rap, lassen Debbie Harry am Telephon plaudern und Emmylou Harris, Petra Haden (That Dog) sowie Josephine Wiggs (Breeders) mitsingen. Fans des zweiten Albums müssen sich fast bis zum Schluß gedulden, bevor das Tempo runtergefahren wird. Und mit dem akustischen "Lovers Moon" kehren Luscious Jackson zum Ausklang sogar dem Big Apple den Rücken. Aber wer die Mädels kennt, weiß, daß diese musikalische Landpartie gewiß nicht von Dauer ist. Volkard Steinbach |