LOW
Secret Name
Tugboat / Rough Trade

Träumen wir nicht alle manchmal davon, die Zeit anzuhalten? Alan Sparhawk, Kopf des Trios aus Minnesota, hat es fast geschafft. Wenn Low auf der Bühne stehen oder im Studio arbeiten, scheint die Zeit ihren Lauf zu verändern. Stücke, die nach Minuten eigentlich kurz sind, werden lang (aber nicht langweilig) und solche, die eigentlich lang sind, erscheinen kurz. Elegisch feingesponnene Tonreihen dehnen sich, alle drei Sekunden schlägt der Baß an, die Snare wird zart gerührt und Gitarren-Akkorde stehen wie steinernde Monumente im Raum. Selbst die Hinzunahme eines Streicherensembles stört nicht die Zelebrierung der Langsamkeit - die Klänge schwingen ins Unendliche. Veränderungen sind im streng disziplinierten Konzept von Low nicht vorgesehen, deshalb funktioniert "Secret Name" auch wieder so Popmusik-fern wie alle anderen Platten vorher. Wenn man Lows Geheimnis ergründen will, muß man diese Konsequenz mögen. Dann jedoch wird man mit einem zärtlich-melancholischen Werk voll entrückender Qualität entlohnt.
Volkard Steinbach