DJ KRUSH
Kakusei
Columbia / Sony Music

Krushs letztjährige Veröffentlichung zusammen mit Toshinori Kondo wirkt - von seiner aktuellen CD aus betrachtet - wie ein wahres Feuerwerk der Lebensfreude. Und schon diese Platte hätte in das kürzlich von Visit Venus eröffnete Schublädchen "Electronica Noir" gepaßt. Von elegant-sinistrer Filmstimmung ist auf dieser CD nicht mehr viel geblieben. Oder zumindest spielen in diesen Filmen keine Menschen mehr mit - sowas hören Replikanten auf dem Weg zur Verschrottung. Krush legt den Beat frei bis auf die Knochen, winzige Samples, Keyboardgeräusche und Pianoklänge vermögen diesen kaum ein wärmendes Mäntelchen umzulegen. So verweist einzig Mista Sinistas (X-Ecutioners) Gastspiel auf die transpazifische Herkunft von Krushs Beats. Ansonsten zeigt sich dieser tief in seiner Heimatkultur verankert und reiht sich ein zwischen die karge Eleganz japanischer Tuschezeichnungen und den strengen Minimalismus eines Shiro Kuramata. Umso dankbarer, aber auch verwässernder, wenn schließlich im CD-Bonustrack die Sängerin Esthero als menschlicher Emotionsträger endlich für ein kleines bißchen Kuschligkeit sorgt.
Karl Koch