KELIS
Kaleidoscope
Virgin

Während TLC ihren Hass auf schmarotzende Macker noch in gefällige Vokalharmonien kleiden, kotzt Kelis sich richtig aus: "I Hate You So Much Right Now". Diese Zeile, aus dem Radio dröhnend, zwingt zum hinhören. Doch wer auf dem Album mehr in dieser Richtung erwartet, sieht sich angenehm enttäuscht. Denn Kelis legt mit ihrem Debut eine Kollektion moderner Soul-Songs vor. Auf wirklich fetten Beats gleitet die Musik elegant dahin, changierend von sanften Schlafzimmerschmeichlern zu gradlinigem Pop. Kelis' Stimme, phasenweise Lauryn Hill ähnlich, bleibt, von obigem Ausbruch mal abgesehen, kontrolliert. Sie ist weniger daran interessiert eine stimmliche Leistungsschau abzuziehen, als singend Geschichten zu erzählen, in denen es natürlich meist um Liebe geht, die in Songs wie "Mafia" zu bizarren Auswüchsen führen kann. Mit dieser Platte ist Kelis auf halbem Weg in die Liga der Missy Elliotts und Lauryn Hills: R&B-Hip Hop mit sehr viel Popappeal und Soul.
Karl Koch