KANYE WEST
Late Registration
Roc-a-fella / Universal

Die Zeiten ändern sich: Der neue König im amerikanischen Hip Hop-Biz ist der schöngeistige Spross einer Akademikerfamilie. Seit seiner Mitarbeit an Jay-Zs Meisterwerk "Blueprint" lechzen immer mehr Rap- und R&B-Stars nach der typischen Kayne-West-Produktion: Diese beruht auf ausladenden, verzerrten Soul- und Gospel-Samples, die Kanye mit dramatischen Streichern sowie live eingespielten und nachbearbeiteten Drums kombiniert. So beweist die auf Shirley Basseys "Diamonds Are Forever" basierende Single "Diamonds From Sierra Leone" eindrucksvoll seinen Hang zur orchestralen Komposition. Hier zeigt der 28-jährige Studienabbrecher auch sein Talent als Rapper, der den eigenen Konsumwahn selbstkritisch mit der Ausbeutung der Dritten Welt kontrastiert. Zynischer Gangsta-Rap ist seine Sache also nicht. Das "Move On Up" von Curtis Mayfield sampelnde "Touch The Sky" steht noch für grenzenlosen Optimismus, während das gospelige "Roses" Kayne Wests melodramatische Seite zeigt. Das passt zu seiner Aussage, wonach Portishead der größte Einfluss für dieses opulente Album waren. Beeindruckend!
Frank Krings