KANTE
Zweilicht
Kitty-yo / Efa

Wem die letzte Blumfeld zu kitschig war, der braucht sich um Kante gar nicht erst kümmern. Denn hier reimt sich, ohne Ironie, "Herz" auf "Schmerz", mehrfach. Aber Kante sind nicht die Kinder von Klaus Lage, nicht die Brüder vom Distelmeyer, zu dessen Band Teile von Kante gehören. Feiert die Single "Die Summe Der Einzelnen Teile" noch die Hochzeit von Sonic Youth und Jim Steinman (produziert hat Tobias Levin), so arbeitet man sich sonst in "Zweilicht" an großen Vorbildern ab: Talk Talk, Cpt. Kirk &, Blues, David Grubbs, Bob Dylan, Arvo Pärt. Schwerer Stoff, majestätische Songs. Mit Streichern stetig schwellend etwa "Itouri", ein Zwiegespräch zwischen desillusioniertem Sänger und frenetischem Gospel-Sample. Dann wieder Experimente, der Titelsong ein zehnminütiges St. Martins-Lied in der Bearbeitung von Mark Hollis, "Live At The Electric Avenue" die Wiederkehr von Bob Dylan & The Band: Ja, dürfen die denn das? Vielleicht ist diese Platte völlig missglückt, vielleicht ist sie ein selten reifes Pop-Werk, vielleicht. Gewagt haben Kante auf jeden Fall viel.
Karl Koch