JOHN HAMMOND
Wicked Grin
Virgin

Wer Songs von Tom Waits nachspielt, darf zwei Fehler nicht begehen. Erstens: nicht versuchen, stimmlich kaputter als der Meister zu klingen. Zweitens: das Instrumentarium nicht abenteuerlustiger als Waits einzusetzen. Ein Steigerung für "kaputt" gibt's nicht. Beide Ratschläge hat John Hammond befolgt. Und das, obwohl er schon mal einige der schönsten Bluessongs durch gewolltes Schlechtsingen massakriert hat. Na, trotzdem hält unser Mann sich seit Jahrzehnten in der oberen Bluesliga auf, und ist längst freundschaftlich Tom Waits verbunden. Der hat sich's nicht nehmen lassen, hier einmal mitzusingen, und sowieso hat Hammond sich hochkarätiger Sidemen versichert: Charlie Musselwhite, Augie Myers und Larry Taylor sollen für Spannung sorgen, und da Hammond die Waits-Songs klugerweise auf ihr melodiöses Skelett reduziert, hätte dies eine supergute Einspielung werden können. Ist es aber nicht. Denn Hammond versucht, nicht nur schön zu singen. Nein, er ist leider unengagiert wie nie zuvor mit dabei. Zudem agieren seine Mitspieler allzu routiniert, machen aus Waits'schen Harmonien aalglatte Bluessongs. Nur einmal wird's interessant: als Waits selbst am Mikro steht und der Chose einen Funken Inspiration verleiht.
Adrian Wolfen