GRAVEDIGGAZ
Nightmare In A-minor
Bmg

1994 war ein toller Jahrgang für den Eastcoast-Hip Hop: Nachdem Mobb Deep und Wu-Tang-Clan sich mit düsteren und ungemein deepen Styles etablierten, kamen die Gravediggaz, um noch einen draufzusetzen. Gegründet von De La Soul-Produzent und Stetsasonic-Chef Prince Paul, landeten die selbsternannten Totengräber mit ihrem finsteren Debüt "Niggamortis" einen Achtungserfolg. Ihr Ziel: Die 200-jährige Sklavengeschichte mit allen Auswirkungen auf die heutige "self-hatin"-Mentalität der Afro-Amerikaner - Alkoholismus, sinnloses Morden, kaputte Familien - in die Sprache des Hip Hop zu übersetzen. Welch' Ironie, dass ausgerechnet dieses auf beunruhigende Todes-Allegorien fixierte Quartett jetzt einen realen Toten zu beklagen hat: Gravedigga MC Poetic verstarb kurz nach Aufnahme dieses Albums. Musikalisch sind sie sich auf ihrem dritten Werk weitgehend treu geblieben: Düstere Moll-Töne und dräuend pfeifende Winde wie aus alten Horror-Filmen bestimmen die Atmosphäre. Dabei verfügen die Rapper immer noch über einen beschwörenden, bissigen Flow, während die Tracks diesmal ansonsten reduzierter ausfallen als auf dem samplelastigen Debüt. "Niggamortis" Teil 3 ist definitiv gelungen.
Frank Krings