GRANDADDY
The Sophtware Slump
V2 / Zomba

Jason Lytle, Songschreiber und Sänger von Grandaddy, beschreibt die Entstehung seiner Songs gerne in Analogie zur Malerei: Skizze, Grundierung und Rundung sind die Vokabeln, mit denen er den Sound seiner Band beschreibt. Und was für schöne Songs hat er mit seinem kleinen Low-Fi-Orchester in die Welt gestellt! Songs, in denen sich die Schule des alternativen College-Rock, verkörpert durch Bands wie Sebadoh und Pavement, sich die Hand reichte mit Großmeistern des Kitsches vom Schlage Billy Joel oder ELO. Doch diese bewährte Mischung läßt sich auf dem neuen Album nur noch selten finden. Mit Pastellfarben und Weichzeichner geschönt, driften die episch überlangen Songs in allerlei Jammertäler; nur noch selten wird die gewohnt perfekte Balance erreicht. Vielleicht liegt's ja an den modernen Sujets, welche dieses Mal die poetische Inspiration lieferten: Obdachlose mit Mobiltelephonen, am Rande des Highways gammelnde Haushaltsgeräte, aufgetürmter Computermüll. Der ideale Soundtrack für einen Douglas Coupland-Roman.
Karl Koch