BETH GIBBONS & RUSTIN MAN
Out Of Season
Go Beat / Polydor

Keine Bange, Portishead haben sich nicht aufgelöst. Beth Gibbons, die unvergleichliche Chanteuse der britischen Trip Hop-Pioniere, hat sich nur für ein Album von Geoff Barrows Diktat der Beats und Samples entfernt. Den passenden Partner für ihr schwer trauriges Liedgut fand sie in Paul Webb alias Rustin Man, der früher den Talk Talk-Bass zupfte und seit deren Album "Spirit Of Eden" ebenfalls vom Melancholie-Virus befallen scheint. Zumindest lässt dies "Out Of Season" mit magischer Musik für lange Winterabende vermuten: Beth Gibbons gurrt, säuselt und fleht mit selten gehörter spiritueller Tiefe. Man fühlt sich an Billie Holiday erinnert, was jedoch nur eine von vielen Assoziationen ist, tönt ihre Stimme doch auf jedem Stück anders. Auch die Musik bedient sich unterschiedlichster Inspirationen. Aber egal ob Akustik-Skizze, Blues, Barjazz, Gospel, Klassik, Folkpop oder bizarres Soundgemälde, die Beschwörung von Isolation und Vergänglichkeit in dunklen Stimmungsbildern geht immer heftig unter die Haut.
Volkard Steinbach