SAINT ETIENNE
Tales From Turnpike House
Sanctuary / Rough Trade

Mittelmeer-Eurodisco für Nerds, Sixties-Pop made in California, vornehmes britisches Understatement, all das macht Saint Etienne aus. Aber warum nur spielen die Damen und Herren Cracknell, Stanley und Wiggs dann nicht längst in der Premier-League der Pet Shop Boys und Kylie Minogues? Über all ihren Platten liegt trotz aller Eingängigkeit etwas angenehm Zurückhaltendes, wozu auch ein gewisser Hörspielcharakter und ein übergreifendes Konzept beitragen. Das Leben in einem Sozialwohnungskomplex bildet diesmal den Rahmen für 12 atmosphärische Tracks, die in angenehmem Widerspruch zur Tristesse der beschriebenen Realität stehen. Egal ob beim zarten, verspielten, an Brian Wilson erinnernden Opener "Sun In My Morning", beim verschmitzten Duett mit Seventies-Held David Essex oder beim die Softpop-Kurve kratzenden Glamrockstampfer "Last Orders For Gary Stead" - überall blitzt diese souveräne Leichtigkeit auf, beiläufig und doch intensiv, clubtauglich und doch basically home-listening.
Johnny Lipps