DEUS
The Ideal Crash
Mercury

Seit dem '94er Debut "Worst Case Scenario" empfiehlt sich das Künstler-Kollektiv aus Antwerpen mit non-konformistischen Klängen und einer ausgeprägten Vorliebe für komplexe Arrangements und extreme Gegensätze. Lob kommt da nicht nur von Kritikerseite. Auch Musiker wie R.E.M. und Radiohead schwärmen in hohen Tönen. Und beim internationalen Publikum stehen die Belgier dank außergewöhnlicher Videos und einiger massenwirksamer Popsongs ebenfalls gut im Kurs. Nur bei uns tut sich die Gruppe noch immer schwer. "The Ideal Crash" markiert nun einen Wendepunkt. Bassist Stef Camil Carlens, der seine Ideen gleich auf mehrere Projekte verteilte, ist nicht mehr dabei - er macht bekanntlich bei Zita Swoon weiter. Mit ihm hat sich das Quintett nun auch von gewagten Stil-Sprüngen verabschiedet. Aber, obwohl dEUS jetzt für beinahe klassische Songs und Popharmonien stehen, können und wollen sie verstörende Klangexperimente nicht ausklammern. Als ginge es darum, den Soundtrack für einen modernen Film-Noir zu kreieren, taucht die Band in dunkel-atmosphärische Song-Epen ab, die mit beklemmenden Stories über notorische Verlierer, passionierte Trinker und enttäuschte Liebende gefüllt sind. Weil abrupte Brüche und Quertöner fehlen, mag man "The Ideal Crash" im Vergleich zu den Vorgängern als leichter zugänglich empfinden. Aber selbst Songs wie der Opener "Put The Freaks Up Front" oder der lockere Lärmer "Instant Street" können nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Musik von dEUS weiterhin so unwirklich und oft auch unwirtlich erscheint wie die nächtliche Fahrt über eine belgische Autobahn.
Volkard Steinbach