DANIEL ASH
Daniel Ash
Psychobaby / Indigo

Auch wenn er seine spitzen, schwarzen Waverhaare gegen einen pomadigen Macho-Look getauscht hat, Daniel Ash ist ein Relikt aus den 80ern. Als Gitarrist von Bauhaus und Love & Rockets schrieb er Gothic Rock- und Dark Pop-Geschichte. Als Solist in den 90ern indes hinterließ er mit allerlei ironischen Plünderungen der Rock-Geschichte keinen bleibenden Eindruck. Nur seiner Kult-Vergangenheit ist es zu verdanken, dass er noch Platten machen darf. Notwendig ist ein Album wie sein neues jedoch nicht. Besonders die ersten Stücke - auf Dancefloor getrimmter Psycho-Electro-Beat mit schrillen Gitarren, perkussiver Ekstase und verfremdeter Stimme - zerren mächtig an den Nerven. Was durchaus im Sinne des Erfinders zu sein scheint. Denn der anschließende aufgeputschte Soundterror á la Primal Scream kommt noch schlimmer. Erst ab der Hälfte des Albums erinnert sich Ash seiner Wurzeln und kreiert einige dunkel atmosphärische Stücke mit Soundtrack-Flair - geeignet für romantische Horrorfilme im Gothic-Ambiente. Aber nach der mitternächtlichen Klang-Phantasmagorie "Chelsea" mit Gastvocals von Nova McCartney ist schon wieder Schluss mit Magie. Ash covert das ausgelutschte "Spooky" der Atlanta Rhythm Section. Und das kann nun wirklich keiner mehr hören.
Volkard Steinbach