GRAHAM COXON
The Kiss Of Morning
Transcopic / Emi

Der introvertierte, zu Depressionen neigende Gitarrist von Blur nutzt bandfreie Zeiten gern für Soloausflüge. "The Kiss Of Morning" ist bereits seine vierte CD und ähnlich obskur und spröde wie die Vorgänger. Punkrock, Garagen-Trash, Singer/Songwriter-Tristesse und der Blues sind Coxons Metier, wobei Blues sowohl Stil als auch Stimmung meint. Mit der Gegenwart verbindet ihn indes wenig. Sounds, Arrangements und Inspirationen weisen zurück in die frühen 70er. Songs wie "Live Line" und "Just Be Mine" klingen wie Echos der Bowie-Alben "The Man Who Sold The World" und "Hunky Dory". "It Ain't No Lie" erinnert an Syd Barretts Folk-Exzentrik, "Bitter Tears" an Nick Drake und das Psychoblues-Monster "Do What You're Told To" gar an Blue Cheer. Als wäre das noch nicht genug Vielfalt, gesellen sich auch noch lupenreiner Country & Western, Billy-Bragg-Verwandtes und Lärm in Schräglage hinzu. Puh! Weniger wäre hier mehr gewesen.
Volkard Steinbach