CATHAL COUGHLAN
Black River Falls
Cooking Vinyl / Indigo

Erinnert sich noch jemand an Microdisney? Obwohl die 1980 gegründete Band nie den Durchbruch schaffte, gelten ihre Alben bis heute als Meisterwerke melodisch-schöner Gitarrenmusik. Hinter Microdisney, die als irische Antwort auf The Smiths gehandelt wurden, standen die beiden Songwriter Sean O`Hagan und Cathal Coughlan. Während O`Hagan nach dem Split die High Llamas gründete und ausgiebig seiner Liebe zu Beach Boys und Sixties-Pop nachging, formierte Coughlan Fatima Mansions und brach mit schroffen Pop-Exkursen radikal mit der eigenen Vergangenheit. Das Ergebnis dieser unterschiedlichen Karrieren ist bekannt. Die High Llamas sind Kritikerlieblinge an der Schwelle zum Starruhm, Fatima Mansions hingegen längst vergessen. Und auch von Cathal Coughlan hat man in den letzten Jahren kaum was gehört. Mit "Black River Falls" meldet er sich jetzt zurück. Hier entpuppt sich Coughlan nicht nur als sensibler Songwriter, der vor atmosphärisch-dichten, gelegentlich opulenten Streicherarrangements große Gefühle zelebriert, sondern auch als expressiver Sänger in der Tradition eines Scott Walker. Sollte es so etwas wie Gerechtigkeit geben, müsste Coughlan mit "Black River Falls" bei Anhängern von Nick Cave, Leonard Cohen und den Tindersticks offene Türen einrennen. Denn auch seine Art der Balladen-Inszenierung ist große Kunst.
Volkard Steinbach