CINERAMA
Disco Volante
Scopitones / Efa

Als vor zwei Jahren das erste Album von Cinerama erschien, traute man seinen Ohren nicht: David Gedge, Chef der unbeugsamen Wedding Present und radikaler Verfechter der '86er Noise-Pop-Lehre, zelebrierte mit seiner neuen Band doch tatsächlich samtweiche Popsongs. Als hätte ihn ein sanfter Sommerwind wachgeküßt, raspelte er Süßholz und untermalte bittersüße Liebeslieder mit weichen Streichern und beschwingten Rhythmen. Der Nachfolger "Disco Volante" setzt nun den eingeschlagenen Weg fort. Gedge mimt den Pop-Dandy, der seine Ray-Davies-Kinks-Lektion genauso perfekt beherrscht wie die Klaviatur klassischer Sixties-Filmmusiken von Ennio Morricones Spaghettiwestern-Melodien bis zu Nino Rotas Dolce-Vita-Partituren für Fellini. Gitarren, Flöten, Celli, Violinen und Bläser sorgen für den passenden Rahmen, in dem der ehemalige Quertöner mit hörbarem Vergnügen perfekte Popsongs aus dem Ärmel schüttelt.
Volkard Steinbach