BJÖRK
Medulla
Polydor / Universal

Björk erfindet sich jedesmal neu. Mit Pop hat ihr sechstes Album, auf dem sie mit ihrer eigenen Stimme, denen von Robert Wyatt, Mike Patton (Faith No More) und Gregory Purnhagen (Phillip Glass) sowie zwei Chören experimentiert, nichts mehr gemein. "Where Is The Line" etwa erinnert an Kompositionen von Krzysztof Penderecki. Andere der 14 Stücke erscheinen wie moderne Kirchenmusik, lassen an mysteriöse Folklore denken oder akustische Rauminstallationen á la Brian Eno. Wirklich anstrengend wird es, wenn Björk zu behutsam gesetzten Klaviertönen wie in Panik hyperventiliert oder der Chorgesang gegen harte Beats anzukämpfen hat. Ein pures A-cappella-Album, wie im Vorfeld vermeldet, ist "Medulla" nämlich nicht. Ätherische Computerklänge und getragene Beats, programmiert von Matmos, Rahzel (The Roots), Mark Bell und Valgeir Sigurdsson liefern die Basis für Vokalverrenkungen und bizarre Melodien, die allesamt nach dem Etikett "Kunst" gieren.
Volkard Steinbach