BJÖRK
Vespertine
Polydor

Und manchmal vermißt man ein bißchen Seele. Die gängigen Texturen der derzeit marktüblichen Electro- und R&B-Sounds bieten jedem Geschmack etwas, aber nicht alles. So überproduziert das meiste ist, so seelenlos klingt es. Auch Björk bedient sich des ganzen Arsenals an Ultra-Supersonic-Studiotechnik. Trotzdem klingt "Vespertine" wie ein einziger Ausbruch der komplexen Seele Björks - und tief emotional. Die Stimmung ist ruhig und poetisch. "You're trying too hard / surrender / give yourself in / you're trying too hard" - es klingt versöhnlich, bedächtig, nachdenklich, wenn sie mit teilweise brüchiger Stimme nach innen blickt. Dazu passen weder die teils arg sperrigen Arrangements der Vergangenheit noch der Pomp eines "Bachelorette". Und so ist "Vespertine" denn auch eher ein langer, ruhiger Fluß, dessen Reiz in seiner Tiefe liegt. Eine märchenhafte Platte. Balsam.
Stefan Piontek