RICHARD ASHCROFT
Alone With Everybody
Hut / Virgin

Mit Richard Ashcroft verbinden sich Extreme. Er gilt als extrem talentiert, schwierig und dünn. Er stand einer Band vor, von der jedes Mitglied emotional extrem bis an die Grenze zum Wahnsinn gewesen sein soll: The Verve. Nach deren Auflösung ist Ashcroft die grösste Sommerhoffnung der britischen Musikindustrie. Sein Debut ist ebenso heiss erwartet worden wie das diesjährige Oasis-Album - und wird ebenso zwiespältig aufgenommen. Die erste Single "Song For The Lovers" liess es erahnen. Der Mann mit dem Hungergesicht pflegt das Epische, Orchestrale und Sanfte. Es gibt keine psychedelischen Spacerock-Collagen, das ist Pop: gemeisselt für die Ewigkeit und filigran produziert samt Mitsing-Refrain. Die elf Lieder sind in der Mehrheit Balladen, mal Knisterromantik mit Country-Touch, mal herzanrührende Dramatik. Einzige Ausnahme bleibt "New York" - eine wuchtige Hymne, die andeutet, dass Ashcroft Atmosphäre im Zeitgeistigen erzeugen kann. Auch wenn Richard Ashcroft ein Händchen für Melodien hat, hilft ihm das nicht über eine eher ideenlose Umsetzung hinweg. "Alone With Everybody" ist extrem unaufregend geraten.
Ulf Lippitz