ALEXISONFIRE
Crisis
Defiance Records

Emocore. Die Verbindung von Hardcore mit ehrlicher emotionaler Energie ist grundsätzlich was Gutes. Vor fast 20 Jahren haben Urväter dieser Idee wie Dag Nasty, Rites Of Spring oder gar Hüsker Dü gezeigt, dass Hardcore nicht nur kämpferisches Geprügel ist, sondern durchaus auch eine Träne im Knopfloch tragen darf. Vor 10 Jahren kam dann die zweite Welle, angeführt von Bands wie Texas Is The Reason - immer noch sehr gut, wichtig und tatsächlich "emotional". Jetzt ist Emo ein großes Ding, Genre-Helden wie Billy Talent erklimmen die Spitze der Charts und der Sound ist zur Pose erstarrt. Die meisten Bands der neuen Welle versuchen Gefühle durch das permanente Wechselspiel aus laut und leise, melodischem und Kreisch-Gesang zu erzeugen. So auch die Kanadier Alexisonfire, die dankenswerterweise ein paar sphärisch-harmonische Passagen einflechten, deren Songwriting sich aber nicht mit Bands wie Rise Against, Taking Back Sunday oder Hot Water Music messen kann. Was bleibt, ist kompetent gespielte und knackig produzierte Standardkost für Genre-Komplettisten, die zumindest mich emotional kalt lässt.
Toby Schaper