THE XX
Xx
Xl Beggars / Indigo

Daß Minimal tot sein soll und in Berlin längst zu ultradeepem Deep House geschunkelt wird, dürfte bekannt sein. Das gilt aber lediglich für dortige elektrische Tanzabende. Denn die blutjungen The XX aus London machen ziemlich perfekten, untoten Minimal. Die Damen und Herren verwenden auf ihrem Debüt dazu lediglich andere Ingredienzien aus den tiefgekühlten Depressionsgenres Dreampop und New Wave. Im Ergebnis hören wir faszinierend unaufgeregte Melancholie-Interpretationen, zurückhaltend, distanziert, mit viel Hall und Verzweiflung in den Gitarren. Die zauberhaften Vocals spendieren abwechselnd Romy Madley Croft und Oliver Sim, so dass die musikalische Ästhetik des Joy Division-Querverweises ziemlich überzeugend daherkommt. Vor einer Daueranwendung dieser Musik in Herbst oder Winter wird jedoch gewarnt: Spontansuizid oder Sekundenschlaf lassen sich als Nebenwirkungen nicht ausschließen.
David Knollmann