BRETT ANDERSON
Wilderness
Edel Records

Einen ausgeprägten Hang zu Melodramatik und Pathos zeigte Brett Anderson schon als Sänger von Suede, die mit ihren Glamrock-Referenzen in der ersten Hälfte der 90er zu den erfolgreichsten britischen Bands gehörten. Mit seinem zweiten Soloalbum nach der Auflösung der Gruppe aus Brighton - nicht mitgerechnet die Zusammenarbeit mit seinem früheren Gitarristen Bernard Butler auf dem Album "Here Come The Tears" - legt der inzwischen 41-jährige nun eine selbst für seine Verhältnisse über alle Maßen schwermütige Songsammlung vor. Mehr noch: In Sachen Melancholie und vertontes Liebesleid hat "Wilderness" Klassikerpotenzial. Umgeben von perlenden Pianomelodien, zarten Gitarrenklängen und kammermusikalischen Streicherarrangements zelebriert Anderson eine hochemotionale Balladenkunst, die in ihren besten und berührendsten Momenten gar nicht weit entfernt ist von einem meiner absoluten Favoriten: "Night Porter" von Japan. "Wilderness" ist zwar purer Kitsch, aber wenn Songs wie "A Different Place" und "The Empress" nicht schön sind, dann weiß ich nicht, was schön ist.
Volkard Steinbach