MIYAGI
Hydraulic Son
Richard Mohlmann / Indigo

Graugetrübte Regenmusik, an den Rändern etwas unscharf, kommt dieser Tage nicht aus England - sondern aus Münster. Miyagi führen das Britpop-Erbe mit Umwegen über Editors, Bloc Party oder Franz Ferdinand fort - und geben sich dabei erstaunlich konservativ. Die Indiedisco-Tauglichkeit mancher Stücke dieses Albums ist reine Arrangementsache, darunter verbergen sich sehr klassische Songs. Manches erscheint hier noch ein wenig unfertig, man ist sich des Band-Stils noch nicht hundertprozentig sicher und so reicht der Atem für ein ganzes Album nicht ganz. Ein Stück wie "Misery/Battery" etwa, mit seiner Tempo-Verdopplung, mag live sicher super funktionieren - auf Platte kommt es eher flach daher. Auch Sänger Stefan Matysick hat seine Stimme noch nicht recht gefunden und schafft mit seiner Leidenshaltung auch beim Hörer eine solche. Spannend wird es, wenn die Band die Genre-Grenzen zaghaft aufbricht, hier eine Georges-Zamfir-Gitarre im Intro von "Kill Me At The Pony Ranch", dort ein Mini-Hippie-Gitarrenbreak. Das könnte mal interessant werden.
Karl Koch