|
KEANE
Perfect Symmetry Island / Universal
| Wenn es um Romantik, Pathos und Melancholie im Britpop geht, haben Keane sogar Coldplay abgehängt. Will sagen: Mehr Kitsch als Tom Chaplins inbrünstiges Flehen geht einfach nicht. Satte acht Millionen CDs hat das Trio davon abgesetzt. Erstaunlich auch deshalb, weil Keane in der ungewöhnlichen Konstellation Gesang, Klavier und Schlagzeug - plus Bass aus der Konserve - ihre Konzerte bestritten. An Klangfülle mangelte es der Band jedoch nie. Dennoch haben sie auf ihrem dritten Album nun einige ihrer Regeln gebrochen. Gitarren sind plötzlich erlaubt, ebenso eine fette Produktion mit Bläsern, Streichern, singender Geige und Synthesizern. Chaplin lässt sogar andere Stimmungen als Schwermut und Melancholie zu. Manche Songs klingen fast fröhlich. All das wäre völlig in Ordnung, wenn Keane nicht in die Plastikfalle der 80er getappt wären. Songs wie "Spiralling" und "You Haven't Told Me Anything" würden nicht einmal auf einer 80er-Retro-Party zwischen A-ha und Nik Kershaw auffallen. Schlimmer noch: Einige der eingesetzten Synthiesounds sind einfach nur unterirdisch, etwa das Abba-ähnliche Intro von "The Lovers Are Losing". Zum Glück erinnert sich die Band gelegentlich an die Pop-Grandezza des ersten Albums, so beim Titelstück, beim hymnischen Breitwand-Pop von "Black Burning Heart" und diversen Balladen. Gleichwohl ist "Perfect Symmetrie" insgesamt eine ziemliche Enttäuschung. Volkard Steinbach |