HOT CHIP
Made In The Dark
Labels / Emi

Die Zeit der neonfarbenen Riesenhornbrille als Gesichtsrahmen ist vorbei. Alexis Taylor trägt jetzt das fragile, wrestlingunkompatible Kassengestell und Hot Chip differenzieren ihren Sound aus: "Made In The Dark" beginnt mit einer superben Attacke auf den menschlichen Sympathikus, "Out At The Pictures" und "Shake A Fist" entwickeln hochgradige Aktionspotentiale aus sauren Bässen, verrückten Synthesizerauswüchsen und beschwörenden Backing-Vocals. "Ready For The Floor" steckt danach den Zenith des Albums in Sachen Hit-, Pop- und Tanzpotenzial ab, bevor Hot Chip uns ihre empfindsame Seite präsentieren. Der Titeltrack wagt gar ein ausgesprochen gelungenes Low-Tempo-Soulexperiment und "One Pure Thought" lädt New Order zum Kaffeeklatsch ein. Das macht alles sehr glücklich, und so leitet "Hold On" das letzte Albumdrittel mit euphorisch gut durchbluteten Ohren ein: "I'm Only Going To Heaven If It Tastes Like Caramel". Dass einige Songs zwischen den erwähnten Höhepunkten leicht erblassen und die balladesken Ausflüge Taylors mitunter abflachen, ist letztlich der Grund, weshalb "Made In The Dark" es nicht vollends zum Meisterwerk an der Schnittstelle von Elektro und Indiepop schafft.
David Knollmann