BLACKMAIL
Tempo Tempo
City Slang / Rough Trade

Wie oft hat man der Gitarren-Bastion aus Koblenz um Mastermind Kurt Ebelhäuser in den letzten Jahren den Durchbruch prophezeit? Aber trotz beeindruckender Alben zwischen Post-Grunge, Noise- und Alternative-Rock sind Blackmail ein Insidertipp geblieben. Weil man sich und seinen Anhängern nichts mehr beweisen muss, hat das Quartett ganz entspannt sein neues Album aufgenommen. "Tempo Tempo" ist ein opulentes, machtvolles Rock-Statement mit Songs, die sich wie Lava ihren Weg bahnen, sich verdrehen und zersplittern, um dann doch noch zum Höhepunkt und zur erlösenden Melodie zu finden. Das hat was von Progrock, aber bevor der zu komplex wird, türmen sich hymnische Gitarrenwände auf und sorgt fragiler Gesang für bittersüße Stimmungen. Zwischendrin bleibt Raum für akustische Intermezzi, Annäherungen an lupenreinen Pop und viele kleine, aber umso nachhaltigere Sound- und Arrangementeinfälle, von Filmmusik-reifen Streichern bis zu orientalischer Melodik. Und fast zum Schluss kreuzen Blackmail sogar ihren ureigenen Noise-Rock mit Notwist'scher Pop-Melancholie. Groß!
Volkard Steinbach