BOB DYLAN
Love And Theft
Columbia / Sony Music

Der Alte ist ein Prophet. Gerade in den ersten Tagen nach Ground Zero waren es alte Songs von Dylan die halfen, die Tragweite der Katastrophe einigermassen zu verarbeiten. A Hard Rain's A Gonna Fall, Hard Times In New York City Town. Auf "Love And Theft" hingegen versprüht Dylan so viel Zuversicht wie schon lange nicht mehr. Und wo er auf dem Vorgänger "Time Out Of Mind" noch hemmungslos den alten Depri-Sack raushängen liess, scheint Bob nun geläutert. Fast so, als hätte er aufgehört, an den Menschen zu verzweifeln. Sein Heil sucht er mal wieder im Blues, Folk, und Rock & Roll der frühen Jahrzehnte des vergangenen Jahrhunderts. Und das macht er so gut wie lange nicht mehr. Mit viel Biss und noch mehr Hingabe. Eine gute Platte, unter normalen Umständen. Es ist nur irgendwie der falsche Zeitpunkt für solche Musik. Nicht seine Schuld, klar. Wer konnte schon ahnen, dass einem in diesen Tagen nur der Sinn nach den alten Songs von Bob Dylan steht.
Mirko Puzic