ARCADE FIRE
Neon Bible
City Slang

Sie gehörten 2004 zu den Entdeckungen des Jahres, und das nicht nur, weil Bowie die Band aus Kanada in den Himmel hob. Das auf einem Winzlabel erschienene "Funeral" war ein Wunderwerk erhabener Songkunst und fiebrig flehender Gesänge. Auf "Neon Bible" sind sie jetzt noch theatralischer, dramatischer, bombastischer. Dunkle Songelegien, mal romantisch-morbide, mal klassisch orchestriert und schwermütig wie frühe Tindersticks. Bei "Intervention" dröhnt eine echte Kirchenorgel, schwelgt ein Chor, jubilieren Geigen und "Ocean Of Noise" ist so voll spiritueller Sehnsüchte, als wäre der Song für Johnny Cash geschrieben worden. Der hätte bestimmt auch Gefallen gefunden an den düsteren Texten und Visionen, an diesen Songs über Paranoia, Flugzeuge, die in Häuser krachen, über Männer, die einen nachts abholen und über schwarze Spiegel, die zeigen, wo die Bomben fallen. Abgedreht, überwältigend und voll manischer Spielfreude.
Volkard Steinbach