|
TYLER, THE CREATOR
Goblin Xl / Indigo
| Hip Hop häutet sich wieder. Die Superstars: Erstarrt in den immer gleichen Formeln, der Rest angesogen vom weltweiten Dance-Trash. Und plötzlich lässt eine jugendliche Skatergang aus L.A. aufhorchen: OFWGKTA, ein vielköpfiges Kollektiv, das als neuer Wu-Tang Clan gefeiert wird. Tyler, The Creator ist Hauptprotagonist und nun mit seinem 2. Solo-Album am Start. Texte, gefüttert aus Horrorfilmen, Sexfantasien, Drogen, düsteren Visionen, dazu Schreie, tiefer gelegte Monsterstimmen auf kaputten Beats, die zerklüftet rumpeln und knirschen, als hätten sich Maschinen einen bösen Virus eingefangen. Textlich ist man in Europa schon vor Jahren so weit gewesen, für die USA ist es eine Sensation. Zwischen den schwarzen Soundscapes blitzen immer wieder melancholische Momente auf, die Nerd ähnlich auch einsetzen. Wer die Ausschnitte der Live-Auftritte gesehen hat, spürt, dass hier eine ungeheure, juvenile Energie sich Bahn bricht, eine Stimme des amerikanischen Albtraums. Vor allem der ex-Filmstudent Tyler weiß dabei ganz genau, was er tut. Hip Hop als Horrorfilm - die Anspielung des Albumtitels an Dario Argentos Lieblingscombo kann kein Zufall sein. Und wer Tylers Video zu "Yonkers" gesehen hat - ein minimalistischer Albtraum inkl. Kakerlakenfressen, Kotzen und Suizid in genialer Lichtregie - merkt, dass hier ein Hip Hop-Akteur mit großer Zukunft am Werk ist. To Be Continued. Klaus Reinhard
|