RAPHAEL SAADIQ
Stone Rollin'
Columbia / Sony

Jede Wette: Schickt den Opener "Heart Attack" mal in ein Blind Date mit 60s- und Soul-Freunden und wer dieses Stück auf älter als 1969 datiert, wird für verrückt erklärt. Denn für Raphael Saadiq endet die Soulgeschichte kurz vor der Disco-Ära, alles davor wird von ihm wie ein Schwamm aufgesogen und in historisch korrekte Stomper und Schleicher verwandelt. Eine ziemlich museale Angelegenheit, wenn Saadiq nicht ein Organ hätte, dem die Inbrunst eingeschrieben ist, sprich, Soul hat. Otis Redding und James Brown heißen die Vorbilder, und wer wissen möchte, wo Adele, Winehouse und Duffy, oder zumindest ihre Produzenten die letzten Jahre genau zugehört haben, wird hier von einem Meister belehrt. Wenn dann in "Go To Hell" zum Finale der Chor und die Geigen jubilieren, da setzt es Gänsehautgewitter. Der Scheiß ist "real!", wie der Fachmann so sagt. Und die ideale Partyplatte für den Grillabend mit Mod-Freunden.
Klaus Reinhard