THE DECEMBERISTS
The King Is Dead
Beggars Group / Indigo

Zweifellos hat die Band aus Portland, Oregon auf ihren letzten Alben genug experimentiert und Neues ausprobiert. Von Folk bis Heavy, von Country bis Elektro- und Gitarrenpop, von Art- bis Progrock - keine stilistische Wendung schien Colin Meloy und Co. zu gewagt. Ähnlich ambitioniert waren die Arrangements mit ihren fetten Orgeln, sämigen Streichern, vielstimmigen Chören und mäandernden Gitarrensoli. Klugerweise versucht es die Band auf ihrem 6. Studioalbum erst gar nicht, sich selbst in Sachen Opulenz erneut zu übertreffen. Im Gegenteil: The Decemberists kehren zu jenen fragilen Folksongs, klassischen Singer/Songwriter-Traditionen und archaisch anmutenden Balladen zurück, mit denen sie sich Mitte der Nullerjahre in die Herzen des Publikums geschlichen haben. Da Meloy, begleitet von Mundharmonika, Fiddle, Akustik- und Slide-Gitarren, bestrickend-schöne Melodien intoniert, dazu noch mit hymnischem Gitarrenrock im Stil der frühen R.E.M. aufwartet und natürlich auch seine Neil-Young-Harvest-Lektion gelernt hat, erweist sich "The King Is Dead" als ein makelloses Album, von dem man sich gerne durch die dunkle, kalte Jahreszeit begleiten lässt.
Volkard Steinbach