TOCOTRONIC
Schall & Wahn
Universal

Was haben wir in der Vergangenheit nicht alles in die Texte der Tocotronics hineininterpretiert... Und genauso regelmäßig hat die Band selbst alle Interpretationen als Blödsinn abgetan. Also lassen wir das diesmal. Nur soviel: Hier wird viel Blut vergossen, viel gelitten und gequält, was bei einem Albumtitel, der sich auf Macbeth bezieht, auch nicht wundert. Und wenn es um Liebe geht, dann tötet diese. Musikalisch ist das in Berlin aufgenommene Album - Teil drei der ironisch an David Bowie erinnernden "Berlin-Trilogie" - ein zerrisseneres Werk als die Vorgänger "Pure Vernunft Darf Niemals Siegen" und "Kapitulation". Extremen Lärmstücken, Punk-Fingerübungen und Tote Hosen-Stampfern stehen große Popsongs, akustische Liedermacher-Zitate, knappe Rocknummern und die voll orchestrierte Ballade "Das Blut An Meinen Händen Ist Von Dir" gegenüber. Am besten sind die Tocos allerdings, wenn sie wie zu Beginn und zum Albumende Erwartungen ignorieren und den Gitarren in über acht Minuten langen, delirierenden Songs alle Freiheiten gönnen. Das hat dann wirklich was von Schall & Wahn...
Volkard Steinbach