MASSIVE ATTACK
Heligoland
Virgin / Emi

Fast 20 Jahre nach dem Debüt "Blue Lines", das noch vor Tricky und Portishead den Bristol-Sound definierte, erscheint das 5. Album der wiedervereinten Klangtüftler Robert "3D" Del Naja und Grant "Daddy G" Marshall. Wie schon anno 1991 spielen Massive Attack meisterhaft mit melancholischen und bedrohlichen Stimmungen. Man könnte die meist molltrunkenenen, detailverliebten Sound- und Rhythmuskreationen mit ihren trägen Bassfiguren, hypnotischen Trommelwirbeln, nebulösen Streicher-Schleiern, kakophonischen Orchesterepisoden und loop-artigen Wiederholungen von kurzen Piano-Sequenzen als Soundtracks für imaginäre Science Fiction-Filme bezeichnen, wäre da nicht dieses Aufgebot exzellenter Stimmen. Der längst zur Band gehörende Reggaesänger Horace Andy, die Tricky-Muse Martina Topley-Bird, Tunde Adebimpe (TV On The Radio), Guy Garvey (Elbow), Hope Sandoval (Mazzy Star) und Damon Albarn (Blur) sind mitverantworlich, dass aus Massive Attacks faszinierendem Klang- und Stil-Amalgan aus Jazz, Soul und Pop, Electro-Experiment, Ambient, Neo-Klassik und Minimal-Musik richtige Songs entstehen. Und manche von denen darf man sogar guten Gewissens in eine Reihe mit Klassikern der Briten wie "Unfinished Symphony", "Karmacoma", "Angel", oder "Teardrop" stellen!
Volkard Steinbach