M83
Hurry Up, We're Dreaming
Naive / Indigo

Hut ab - ein Doppelalbum, das wagen heute nicht mehr viele. Und schon im Opener mit Hilfe von Zola Jesus direkt mal ein dermaßen massives Monstrum von Bombast abzufeuern, Jessas, der Herr Gonzalez hat Chuzpe. Bisher kannte man M83 vor allem als Meister des Sublimen, baute er doch Gebirge aus Elektronik, Hall und den Sounds von Sigur Ros und Mogwai. Und jetzt: Alles, was die 80er an verbotenen Sachen (Saxophonsoli! DX7-Bässe!) zu bieten haben, plus das bisherige Ouevre. Puh! Hier schnackelt verträumter Electro-Dance-Pop, dort schrengeln Simple Minds-Gitarren mit Peter Gabriel-Gejodel, gefolgt von Trevor Horn-Gewittern, dann wieder herrliche Soundscapes, wie sie Boards Of Canada nicht schöner hinbekommen, hier noch der vertonte Weltuntergang, und dann noch dies Stück namens "Klaus I Love You"... Jeden anderen hätte dieser Ritt in den Abgrund gestürzt. M83 jedoch reitet auch über die gefährlichsten Schluchten, beseelt von seiner Vision, den mächtigsten Bombast-Pop der Welt zu finden. Zu solcher Musik stellen sich Erweckungserlebnisse oder Würgereize ein, kalt lässt sie nicht.
Karl Koch