JANELLE MONAE
The Archandroid
Atlantic / Warner Music

Okay, die Story zum Album ist ziemlich hanebüchen. Cindi Mayweather ist ein Android und auf der Flucht, weil sie sich in ein menschliches Wesen verliebt hat ... denn auf ihrem Planeten ist sowas streng verboten. Janelle Monáe ist eine Zeitreisende aus dem Jahr 2719 und besagte Cindi ist ihr Klon und der geheimnisvolle Erz-Android, der die Bürger von Metropolis im Namen von Freiheit und Liebe retten soll. Aha! Die musikalische Umsetzung dieser Rahmenhandlung ist zum Glück nicht ganz so abwegig. Zur groben Einordnung: Janelle Monáe, zu deren Förderern BigBoi von Outkast und Sean "Puffy" Combs gehören, ist ein aufgehender Stern am R&B-Himmel. Großes wird ihr vorausgesagt, und ihre Platte scheint die Erwartungen zu erfüllen. Inspiriert von Dali, Disney, Tim Burton und Fritz Lang legt sie mit ihrem Debutalbum eine eklektische, genreübergreifende Scheibe vor, die sich deutlich vor ihren vielen musikalischen Vorbildern verbeugt und doch verdammt eigenständig daherkommt. Princes Eklektizismus, Stevie Wonders Harmonien, Paul Simons Texte, Outkasts Funkiness - ja, kann man alles raushören. Monáe aber kocht ihr eigenes Süppchen daraus: eine gut produzierte R&B-Scheibe mit etwas Funk, etwas Soul, etwas Dancefloor-Ambitionen und viel Pop-Appeal, die mit jedem Hören besser wird.
Johannes Wallat